Trystan & Esyllt

 

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 Trystan und Esyllt

Zu jener Zeit wanderten Trystan und Esyllt, die Frau des March ap Meirchion, als Vogelfreie durch den Wald von Gelyddon, und bei ihnen war Golwg-Hafddydd, ihre Dienerin, und sein Page Y Bach Bychan, und sie trugen Pasteten und Wein mit sich, und ein Bett aus Blättern ward für die beiden gemacht. Da ging March zu Arthur und erhob Klage gegen Trystan. Vom König aber forderte er, dass dieser ihn gegen solche Beleidigung in Schutz nehme und seine Rache betreibe. Denn er war näher verwandt mit Arthur, als Trystan dies war. March ap Meirchion war der Vetter Arthurs, Trystan aber war nur eines Vetters Sohn.

»Ich werd's richten«, sprach da Arthur, »ich und meine Leibgarde. Euch soll Genugtuung werden. « Darauf umstellten sie den Wald von Celyddon.

Nun hing aber an Trystan ein Zauber, nämlich, dass einer, der ihn bluten machte, sterben musste. Fügte aber er einem anderen eine blutende Wunde zu, so war dieser ebenfalls des Todes. Darob war er sehr gefürchtet. Und als Esyllt all das Lärmen und Reden am Waldrand vernahm, begann sie in Trystans Armen zu zittern. Und als Trystan sie fragte, warum sie denn zittere, sprach sie, es sei aus Furcht um ihn. Da stand Trystan auf, griff nach seinem Schwert und stürmte voran, bis er auf March traf, und dieser sagte: »Verdammt. Selbst wenn ich ihn töten sollte, würde das meinen eigenen Tod nach sich ziehen. «

Und die anderen Männer, die mit ihm waren, sprachen: »Töricht wären wir, wenn wir uns für March schlügen. Es wäre unser sicheres Ende. « Und so konnte es geschehen, dass Trystan durch drei Heerhaufen hindurchlief und keiner sich ihm entgegenstellte.

Da ging March ap Meirchion abermals zu Arthur und führte Klage, dass er weder seine Frau wiedererhalten habe von dem Räuber, noch wolle dieser ihm etwas geben für den Schaden und das Leid, das man ihm angetan. »Ich weiß dir auch keinen Rat, außer diesem«, sprach Arthur. »Sende Harfenspieler aus. Die sollen von weitem Musik machen. Und ihnen nach schicke Dichter und Lobredner. Vielleicht gelingt es so, seinen Zorn und seine Wut zu besänftigen. «

Dies geschah. Trystan aber rief die wandernden Sänger zu sich und gab jedem eine Handvoll Gold und Silber, und dann schickte man jenen zu ihm, dem es am besten gelang, Streit zu schlichten und Frieden zu machen. Und sein Name war Gwalchmai ap Gwyar.

Trystan wurde vor Arthur geführt, und dieser versuchte zu vermitteln zwischen ihm und March. Mal sprach Arthur mit diesem, mal mit jenem, aber keiner von beiden war willens, Esyllt aufzugeben. Da bestimmte Arthur, sie solle bei dem einen bleiben, solange die Blätter an den Bäumen hingen, und bei dem ändern zu jener Zeit, in der die Bäume keine Blätter tragen. Und ihr Ehemann durfte wählen. Er wählte sie für die Zeit, in der die Bäume ohne Blätter sind, weil er sich sagte, im Winter sind die Nächte so lang, und es ist traurig, dann ohne ein Weib neben sich zu sein. Arthur teilte Esyllt seine Wahl mit.

Die aber frohlockte. »Gesegnet sei der Wunsch, den er getan hat«, sprach sie. »Drei Bäume gibt es, die wollen mir wohl. Stechpalme, Efeu und Eibe. Nie verlieren diese ihr grünes Blatt. So bin ich an Trystans Seite, solange er lebt. « So kam es, dass March Esyllt für immer verlor.